Was ist die beste Trainingsmethode?
Was ist die beste Trainingsmethode?
Jahrzehntelang war Classroom Training der Standardansatz zur Weiterentwicklung von Mitarbeitenden. Es ist vertraut, interaktiv und kann bei guter Konzeption und Moderation bemerkenswerte Ergebnisse hervorbringen. Für den Aufbau von Kompetenzen am Arbeitsplatz spielt es nach wie vor eine wertvolle Rolle.
Doch die Arbeitswelt hat sich verändert. Technologie hat nicht nur verändert, wie Menschen arbeiten, sondern auch, wie sie lernen. Trotz dieser Entwicklungen zögern viele Organisationen weiterhin, sich auf digitale Trainingsformate einzulassen. Für sie sind diese ein Kompromiss, eine weniger wirksame Alternative zum Classroom Training statt einer eigenständigen, legitimen Lernlösung.
Woher das Misstrauen gegenüber digitalen Formaten kommt
Dieses Zögern ist nachvollziehbar. Viele Entscheiderinnen und Entscheider haben schlecht gestaltete Online-Kurse erlebt, die kaum mehr boten als endlose Folien, vertonte Präsentationen oder Dokumente zum Herunterladen. Solche Erfahrungen erwecken verständlicherweise den Eindruck, Online-Learning funktioniere schlicht nicht.
Genau hier liegt der Denkfehler vieler Organisationen. Die Wirksamkeit einer Weiterbildung hängt weit weniger von der Vermittlungsform ab als von der Qualität ihrer Konzeption, ihrer Relevanz für die tatsächlichen Bedarfe der Lernenden und davon, ob die Lernenden dabei unterstützt werden, das Gelernte im Arbeitsalltag anzuwenden.
Die falsch gestellte Frage
Die Frage lautet deshalb nicht: „Welche Trainingsmethode ist die beste?”, sondern: „Welche Trainingsmethode passt am besten zu diesem konkreten Lernbedarf?”
Jede Methode hat Stärken und Grenzen. Keine einzelne Vermittlungsform ist für jede Situation ideal.
Classroom Training: Stärken und praktische Hürden
Classroom Training schafft Raum für intensive Diskussionen, unmittelbares Feedback, gemeinsames Problemlösen und praktisches Üben. Überall dort, wo Lernen stark von Interaktion, Coaching oder Gruppenübungen abhängt, bietet es klare Vorteile.
Classroom Training bringt allerdings auch praktische Herausforderungen mit sich. Mitarbeitende müssen ihren Arbeitsplatz verlassen, und für Organisationen entstehen häufig Kosten für Räumlichkeiten, Logistik, Anreise, Übernachtung und Moderation. Auch die Terminplanung für größere Gruppen kann schwierig sein, vor allem dort, wo sich der Betrieb nicht ohne Weiteres unterbrechen lässt.
Live Virtual Training: Instructor Led, aber ohne Reise
Genau an dieser Stelle setzt Live Virtual Training an. Es ist Instructor Led Training im eigentlichen Sinne: Eine Trainerin oder ein Trainer führt durch die Inhalte, beantwortet Fragen unmittelbar, beobachtet die Übungen der Teilnehmenden und greift ein, wenn jemand nicht weiterkommt. Der didaktische Kern des Präsenztrainings bleibt also erhalten. Was wegfällt, sind Anreise, Übernachtung und die Bindung an einen bestimmten Ort.
Damit lassen sich Teilnehmende aus verschiedenen Standorten, Ländern und Zeitzonen in derselben Trainingsgruppe zusammenbringen. Termine lassen sich kurzfristiger ansetzen, Gruppen kleiner schneiden und Trainings dann durchführen, wenn der Bedarf entsteht, und nicht erst dann, wenn genügend Anmeldungen für eine Präsenzveranstaltung zusammengekommen sind.
Die Übungsumgebung muss mit dem Training nicht enden
Ein oft unterschätzter Vorteil liegt in der Übungsumgebung. In virtuellen Trainings arbeiten Teilnehmende in einer vorbereiteten Umgebung, in der sie gefahrlos ausprobieren, Fehler machen und Abläufe wiederholen können. Diese Umgebung muss mit dem Trainingsende nicht verschwinden. Bleibt sie im Anschluss noch einige Zeit verfügbar, können Teilnehmende das Gelernte in Ruhe nacharbeiten, offene Punkte selbst klären und den Übergang in die tägliche Arbeit deutlich sicherer gestalten.
Self-paced Online Learning: Lernen im eigenen Tempo
Für andere Lernziele, insbesondere solche, bei denen es um den Aufbau von Wissen, die Entwicklung praktischer Techniken oder die Festigung arbeitsbezogener Fertigkeiten geht, kann ein gut konzipierter Self-paced Online-Kurs ebenso wirksam sein und dabei zusätzliche Flexibilität bieten. Teilnehmende lernen dann, wenn es in ihren Zeitplan passt, können schwierige Inhalte beliebig oft wiederholen und in einem Tempo vorankommen, das ihrem individuellen Bedarf entspricht. Auch hier muss es beim reinen Konsumieren von Inhalten nicht bleiben: Eine virtuelle Übungsumgebung lässt sich ebenso in Self-paced Formate einbinden. Organisationen wiederum können deutlich mehr Mitarbeitende schulen, ohne den Tagesbetrieb stark zu stören.
Das macht digitale Formate nicht überlegen. Es macht sie lediglich für bestimmte Situationen besser geeignet.
Eine ihrer größten Stärken ist die Flexibilität. In einem klassischen Präsenztraining bewegen sich im Grunde alle im gleichen Tempo. Manche Lernende kommen nur schwer mit, andere wären längst bereit weiterzugehen. Self-paced Online Learning hebt diese Einschränkung auf, und auch im Live Virtual Training lässt sich durch eigene Übungsumgebungen und individuelle Aufgabenstellungen deutlich besser auf unterschiedliche Vorkenntnisse eingehen.
Ein weiterer Vorteil: Das Lernen muss mit dem Ende der Sitzung nicht aufhören. Teilnehmende können Lektionen erneut aufrufen, in der Übungsumgebung weiterarbeiten, ihr Wissen vor der Anwendung neuer Fertigkeiten auffrischen und das Gelernte über die Zeit hinweg festigen. Diese Möglichkeit zur Wiederholung und Vertiefung kann die Behaltensleistung erheblich verbessern.
Der eigentliche Maßstab ist nicht Wissen, sondern Verhalten
Doch Wissen zu behalten ist nur ein Teil der Geschichte. Der eigentliche Maßstab für den Erfolg einer Weiterbildung ist nicht, woran sich Menschen danach erinnern, sondern was sie deswegen anders machen.
Organisationen beurteilen Trainings mitunter anhand der Teilnehmerzufriedenheit oder der eingesetzten Vermittlungsform. Das sind zwar nützliche Indikatoren, doch der wahre Erfolgsmaßstab ist, ob sich die Leistung danach verändert. Führen Vorgesetzte wirksamer? Verbessern Vertriebsmitarbeitende ihre Abschlussquoten? Gehen Servicemitarbeitende besser mit Kundinnen und Kunden um? Unterlaufen Mitarbeitenden weniger Fehler? Verbessern sich die Geschäftsergebnisse?
Diese Ergebnisse hängen von weit mehr ab als von der Vermittlungsform. Wirksames Lernen erfordert klare Ziele, relevante Inhalte, engagierte Lernende, Gelegenheiten zum Üben, Unterstützung durch Führungskräfte und eine bewusste Nachbereitung im Anschluss. Fehlen diese Zutaten, bewirkt selbst ein exzellentes Präsenzprogramm kaum dauerhafte Veränderung. Sind sie vorhanden, kann ein gut konzipiertes virtuelles Training eine spürbare Leistungsverbesserung bewirken.
Wie Organisationen die richtige Methode wählen
Statt zu fragen, ob Classroom Training oder Online-Learning besser ist, sollten sie fragen:
Welche Kenntnisse oder Fähigkeiten müssen Mitarbeitende aufbauen?
Wie viel Interaktion erfordert dieses Lernen?
Wie viel praktisches Üben ist notwendig, und in welcher Umgebung findet es statt?
Wie viele Mitarbeitende benötigen die Schulung, und wo sitzen sie?
Wie schnell müssen sie geschult sein?
Welche betrieblichen Rahmenbedingungen sind zu berücksichtigen?
Wie wird das Gelernte nach der Schulung gefestigt?
Die Antworten weisen in der Regel auf den passendsten Ansatz hin. Manchmal ist das Classroom Training. Manchmal ist es Live Virtual Training. Manchmal ist es Self-paced Online Learning. Und zunehmend ist es eine durchdachte Kombination aus allen dreien.
Für viele Organisationen entsteht die größte Wirkung nicht dadurch, dass sie sich für eine Methode entscheiden, sondern dadurch, dass sie mehrere strategisch miteinander verbinden.
Was sich im betrieblichen Lernen gerade verschiebt
Während sich betriebliches Lernen weiterentwickelt, beginnen Organisationen, ihre Perspektive zu verändern. Das heutige Geschäftsumfeld verlangt kontinuierliche Kompetenzentwicklung, bei gleichzeitigem operativem Druck, knapper Zeit und engeren Budgets. Diesen Anforderungen gerecht zu werden erfordert mehr als die Treue zu einer bestimmten Vermittlungsform. Es erfordert die Wahl des Ansatzes, der sowohl zum Lernziel als auch zum geschäftlichen Kontext passt.
Classroom Training wird noch viele Jahre ein Bestandteil betrieblichen Lernens bleiben. Zugleich haben sich Live Virtual Training und Self-paced Online Learning zu glaubwürdigen, praktikablen und wirksamen Lösungen für viele Lernbedarfe entwickelt.
Die Antwort
Was ist also die beste Trainingsmethode?
Die Antwort ist überraschend einfach.
Es gibt sie nicht.
- Classroom Training ist nicht immer die Antwort.
- Self-paced Online Learning ist nicht immer die Antwort.
- Live Virtual Training ist nicht immer die Antwort.
Die beste Trainingsmethode ist diejenige, die am besten zum Lernbedarf, zu den Lernenden und zu den Realitäten des Unternehmens passt.
Die Organisationen mit dem größten Return on Learning sind nicht jene, die einer bestimmten Vermittlungsform treu bleiben. Es sind jene, die den Ansatz wählen, der am besten zum Lernziel, zu den Lernenden und zu den Realitäten des Unternehmens passt.
Letztlich bemisst sich erfolgreiches Lernen nicht daran, wo es stattfindet oder wie es vermittelt wird. Es bemisst sich daran, was Menschen danach anders machen.
